Review: Star Trek Beyond

Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum erscheint mit Star Trek Beyond das dritte Abenteuer rund um Chris Pine als Kirk. Anders als zuvor sitzt hinter der Kamera nicht JJ Abrams im Regie-Stuhl, sondern Justin Lin. Ebenfalls wanderte die Schreibfeder von Roberto Orci und Alex Kurtzman weiter zu Simon Pegg (Scotty) und Doug Jung.

Der Film hat eine bewegte Produktionsgeschichte hinter sich. Ein verworfenes Drehbuch von Patrick McKay and John D. Payne, Kontroversen um den ersten Trailer, Diskussionen um ein homosexuelles Outing, die Tode von Leonard Nimoy und Anton Yelchin – wahrscheinlich eines Tages selbst einen Film wert.

Nun aber ist er da, der Streifen, der 50 Jahre und mindestens zwei Schauspielleben feiern und im kulturellen Gedächtnis verankern soll. Nebenbei wird auch Blockbusterkino mit einer ordentlichen Gewinnspanne erwartet. Kein kleiner Anspruch.


Diese Review ist Spoiler-frei.


Vielversprechender Auftakt

Beyond wird zunächst all diesen Erwartungen gerecht. Die Spezialeffekte sind über jeden Zweifel erhaben, die Zeichnung der lieb gewonnenen Charaktere ebenfalls. Das Ensemble rückt stärker in das Zentrum des Films, Leonard Nimoys Andenken ist ein roter Faden, der sich durch den ganzen Film zieht. Daneben ist genug Raum für Humor, Nostalgie und Selbstreferenzen. Peggs und Jungs Drehbuch zitiert alles, was das Raumzeit-Kontinuum hergibt: Folgen der Originalserie, Star Trek VI, die eigenen Abenteuer seit 2009, Star Trek: Enterprise und eigentlich alles dazwischen.

Nach der vermutlich best-inszenierten Raumschlacht des Jahrzehnts scheint in der ersten Hälfte des Films alles in Richtung perfektes Popcorn-Kino zuzusteuern. Dann kann doch eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?

Die vielen liebenswerten Charaktermomente, die jedem Mitglied des Ensembles mindestens eine zentrale Szene widmen, entpuppen sich im Verlauf des Films als etwas vorhersehbar. Auf der einen Seite werden die Charaktere treffend dargestellt, andererseits erfahren wir bis auf ein Outing nichts Neues oder Unerwartetes von ihnen. Für altgediente Trekkies leiden unter akutem Déjà vu, neue Zuschauer wird es dagegen die Charaktere näher bringen.

Zum Auftakt deutet der Film einige interessante Möglichkeiten zur Charakterentwicklung an. Leider entpuppt sich dies zum Ende hin als Mogelpackung, die innere Handlung vortäuschen sollte. Gleich einer Fernsehfolge setzt Beyond zum Ende des Films wieder alles auf Anfang. In Zeiten moderner TV-Serien und cineastischer Erzähluniversen wirkt das gleichermaßen unglaubwürdig und unnötig.

Das Böse ist banal

Mit fortschreitender Zeit entpuppt sich die äußere Handlung des Films wie in den beiden Vorgängern leider als schlecht motiviert. Schnell erfährt man, dass der Widersacher der Crew (diesmal ein Fiesling namens Krall) mal wieder nichts weniger als einen persönlichen Rachefeldzug gegen die ganze Föderation plant. Shinzon, Nero und Khan lassen grüßen.

Das Warum bleibt die längste Zeit im Dunkeln, und die überraschende Offenbarung von Kralls Herkunft erfordert trotz mehrerer vorbereitender Brotkrumen sehr viel Toleranz gegenüber Erklärungslücken. Aus US-Sicht mag Kralls Charakter mit viel Wohlwollen ein Kommentar auf innere gesellschaftliche Konflikte sein, für das restliche Publikum ist er einfach der nächste Nero mit einer geringfügig interessanteren Vorgeschichte.

Krall hätte durchaus das Zeug gehabt, sich mit der Crew einen intellektuell fordernden Schlagabtausch zu liefern, aber auch hier beschränkt man sich lieber auf recht harmlose Plattitüden und Tonkonserven. Das Duo Khan/Marcus war hier sowohl emotional als auch intellektuell eine ganz andere Herausforderung (und zudem besser konstruiert).

Schließlich kämpft Beyond wie schon Into Darkness damit, einen angemessenen Abschluss zu finden. Zwar ist das Finale spektakulärer und befriedigender, dafür aber schnell spannungsarm und letztlich unplausibel. Wer mit dem ersten Trailer nicht warm werden konnte, wird böse überrascht werden, dass er bereits in einem Wesentlichen Punkt den Klimax des Films vorgezeichnet hat.

Fazit

Trotz aller Handlungslücken und Vorhersehbarkeit ist Star Trek Beyond ganz offensichtlich eine Liebeserklärung und eine Herzensangelegenheit aller Beteiligten gewesen. Für jede handwerkliche Schwäche gegenüber den Vorgängern findet man auch eine Stärke. Wird Star Trek Beyond allen Erwartungen gerecht? Natürlich nicht. Hält er das ordentliche Niveau des Vorgängers? Fast. Ist er ein gelungener Startschuss für das Jubiläumsjahr? Auf jeden Fall!

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